Nicht so wirklich…
17. Mai 2012 um 18:45 Uhr…ich weiß nicht wirklich, wie ich mich fühle. Ich fühle mich nicht schlecht. Aber ums gut zu nennen, fehlen doch auch noch so paar Groschen an der Mark. Hm, Wirklichkeiten sind eh immer ziemlich subjektiv, und meine ist gerade noch nicht mal das. Im Grunde hab ich keine Ahnung, wie es mir geht. Ich weiß nur, es geht mir nicht schlecht. Wie es ausschaut, sackt langsam alles.
Hans hat mir vor paar Tagen Spaß gemacht! Hans, du weißt ja, dass ich solche auf den ersten Blick holprige Vergleiche liebe! Und deiner hatte was… ich ziehe da mal mit. Also, wenn die Liebe das Benzin ist und das Auto die Beziehung, dann stelle ich fest: ich hab kein Auto. Der Benzinkanister ist da, ok. Aber von einem fahrbaren Untersatz weit und breit nichts zu sehen. Wenn ich nun einen wollen würde, dann müsste ich mich definitiv auf die Suche danach machen, denn es wird mir wohl niemand das passende Auto vor die Tür stellen. Und schon würde ich mich wiederfinden in der wunderbaren Welt des Gebrauchtwagenmarktes.
Das Ding ist nur: so wunderbar ist er gar nicht. Ich könnte als Frau ohne weiteres binnen einer einzigen Woche gefühlte tausend neue Bekanntschaften machen, indem ich mich nur in einer dieser Singlebörsen list… kein Problem. Dazu muss man aber auch die Nerven haben, denn es ist zum größten Teil doch nicht sehr erheiternd, was man dort zu lesen bekommt. Es ist zu einem gar nicht so geringen Teil sogar ziemlich eklig, wenn ich mal ehrlich bin. Zu erheblichem Anteil ist es vor allem langweilig, und nur zu einem klitzekleinen Teil ist es interessant.
Beleuchten wir mal den kleinen Teil… den interessanteren und wagen uns an die Probefahrt: im Nachhinein bin ich froh, dass ich es wenigstens noch mit Humor sehen konnte. Unterhaltungswert hatten sie immer, das muss ich schon sagen. Nun ist es aber nicht so gedacht, dass ich nach Hause gehe und wenigstens was zum Schlapplachen habe. Normalerweise sollten sich doch dann die Schmetterlinge im Bauch tummeln. Taten sie aber nicht… nur ein einziges Mal in den letzten geschlagenen 4 Jahren wollte ich einen Mann gern wiedersehen, und das war Marco. Alle anderen kamen eher rüber wie ein Comedyprogramm, ums mal so auszudrücken.
Ich habe aber keine Lust mehr, eine sinnlose Probefahrt nach der anderen mit irgendwelchen Klapperkarren (und damit meine ich nicht Marco, der war ein Sondermodell!) zu unternehmen… schon allein darum, weils wirklich auf die Nerven geht, besonders im Abgang. Wenn du ein Auto nicht kaufen willst, beschwert sich keiner. Aber Verehrer muss man erstmal wieder losgeworden sein! Viele Menschen verstehen das Wort “Nein!” nicht… wahrscheinlich, weil ich doch sehr höflich bin und niemanden verletzen will. Trotzdem isses eigentlich unmissverständlich, dass ich dieses eine Date als Ende der Fahnenstange erachte. Wenn du dann trotzdem nicht in Ruhe gelassen wirst, dann geht das gelinde gesagt einfach auf den Wecker. Mir jedenfalls.
Dazu kommt, dass ich ja nun wirklich alles andere als beziehungsfixiert bin. Warum sollte ich mir umständlich eine anlachen, wenn ich gar nicht unbedingt und dringend eine haben will?
Ich würde nicht sagen, dass ich auf Teufel komm raus und aus Prinzip nie wieder einen Mann in mein Leben lassen würde. Aber ich suche mir keinen. Mein Ziel ist, dass meine Welt auch ohne schön ist. Wenn dann trotzdem irgendwann mal jemand käme, der mich hin und weg macht, dann könnte ich ja doch nicht widerstehen, das ist ganz klar. Nur… so wie ich lebe, steht die Chance dafür doch gleich null. Ich geh nun mal nicht auf Radutte, und es wird niemand bei mir klingeln und sagen: “Guten Tag, da bin ich… freust du dich, dass ich jetzt da bin?” Es stellt einem ja auch niemand den Traumwagen vor die Tür, den man selber nur noch betanken muss. Das ist utopisch, Hans, und das hab ich akzeptiert. Mehr an Entscheidung hab ich gar nicht getroffen, und nicht mal das war ne Kopfentscheidung, sondern eine aus dem Gefühl heraus. Reine Kopfentscheidungen sind mir mittlerweile nämlich wirklich nicht mehr so sympathisch. Ich mag mir das Denken zwar nicht abgewöhnen, aber wenn, dann ganzheitlich unter Einbeziehung aller Relevanzen, und die erheblichste ist nun mal der Herzschlag.
Morgen hab ich nicht frei, aber wenigstens Didi. Wir haben uns die Tage mal genauer mit diesem seinem Streber-Projekt beschäftigt, und je mehr wir darüber nachdachten, desto erfreulicher wurde die Tatsache, dass ich mich damit nicht auch noch intensiv befassen muss. Das kann nur ein Rohrkrepierer werden, und auch wenn ich pünktlich mein Geld auf dem Konto hab, isses mir so egal nun auch wieder nicht, was ich an meinem Arbeitsplatz mache. Ok, wir fangen dann trotzdem eben schon mal an… jeden Tag eine, das muss reichen… soll ja nicht am guten Willen liegen. Aber da wir uns sicher sind, dass wir das intensiv nachbearbeiten müssen, falls alles mal in den Topf kommt, wo es dann wirklich kocht, wollen wir uns andererseits auch nicht so intensiv ins Zeug legen. Ist ja auch nicht so, als hätten wir sonst nichts zu tun. Da wären schon noch so 2 oder 3 andere Dinge, für die wir eigentlich bezahlt werden.
Ich werde ja nicht drüber fertig, dass die sogenannten Entscheidungsträger diesen Stümper seinen unausgegorenen Mist unter die Leute bringen lassen. Aber vielleicht bin ich ja auch die Doofe und verstehe mal wieder gar nix… kann schließlich auch sein. Sei es, wie es sei… wir machen mit, aber nicht so dolle und bedauern sehr unsere Kollegin, an der dieser Käse noch viel klebriger hängenbleibt. Was bin ich froh, dass ich nicht mit ihr tauschen muss.
Seit ein paar Tagen ist ein Wunsch wieder in mir hochgekommen. Muss mal gucken, ob ich mich endlich mal traue, oder ob es wieder auf die lange Bank geschoben wird: mein Tattoo. Die Stelle steht ja schon lange fest und bleibt auch: auf die linke Schulter, genau hinter dem Herzen. Nur das Motiv hab ich mir wohl anders überlegt: ich möchte jetzt ein Auge haben. Genau dort! “Torn” würde immer noch passen, aber noch steht es da ja nicht. Nun liebäugele ich mit dem Auge und stelle mir das wunderbar vor. Wenn, dann muss ich aber noch in Kürze in die Gänge kommen, damit ich im Sommer auch noch was davon habe. Na, mal gucken… im wahrsten Sinne des Wortes.
VOM LEBEN GELERNT 11/2012:
“Und manchmal sage ich zur Welt einfach: Aha!”
